Wirksamkeit in Entwicklungsprozessen

Gut Ding will Weile haben…

Heute kommt es ja darauf an, dass „es“ wirkt – was auch immer „es“ sei. Kopfschmerztabletten zum Beispiel: Ein Produkt wirkt schneller als die anderen, dafür wirkt die Konkurrenz länger. Und wieder andere wirken genau da, wo’s weh tut. Das Gegenteil – Wirkungslosigkeit – wäre ja auch merkwürdig. Doch es kommt noch etwas hinzu: Die Wirkung soll nicht nur schnell, anhaltend und treffsicher sein, sie soll auch ohne Mühe und Aufwand eintreten. Und billig soll sie auch sein.

Haben Sie es bemerkt? Als Kinder des Massenkonsums und der jederzeitigen Verfügbarkeit sind wir längst darauf konditioniert, genau diese Wirkungsweisen auch andernorts zu erwarten, sei es in Zweierbeziehungen, im Arbeitsleben oder sogar sich selbst gegenüber (denken Sie an den aktuellen Trend des „Selbstvermessens“). Wer ein wenig innehält und darüber nachdenkt, findet schnell heraus, dass da etwas nicht stimmt.

Ich halte es da lieber mit dem unmodernen Motto „Gut Ding will Weile haben.“ Denn ich weiß, dass vieles, was wichtig ist, sich nur langsam entwickelt und obendrein nicht ohne Mühe und Aufwand zu haben ist. Das betrifft zum Beispiel das Hineinwachsen von Menschen in eine Führungsrolle, oder auch das neumodisch „onboarding“ genannte Einarbeiten neuer Kolleginnen und Kollegen. Grundsätzlich gilt das für alle Lernprozesse: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Bevor Sie mir jetzt vorwerfen, ich würde mich dem Zwang zur Effizienz und dem Tempo unserer Zeit verweigern: Ich bin überzeugt, dass nur solide und mithin mit Mühe und Zeit erreichte Grundlagen für die Herausforderungen der Gegenwart und erst recht der Zukunft wappnen!
Götz Hendricks

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